Aktivrente: Symptombehandlung statt Systemreform
Der Plan der Ampel-Koalition – ab 2026 steuerfreie Hinzuverdienste von bis zu 2 000 € pro Monat für Rentner*innen – klingt verführerisch. Doch Kritiker warnen: Die Idee löst weder Sach- noch Generationengerechtigkeit, sondern verschiebt Verantwortung und vergrößert Ungleichheiten.
Hauptziel verfehlt: Fachkräftemangel bleibt bestehen
- Ökonomen wie Martin Werding (Wirtschaftsweise) befürchten hohe Mitnahmeeffekte: Viele arbeiten ohnehin weiter – echte Neueintritte bleiben gering
- Auch Ulrike Stein (IMK) warnt: Die Steuerausfälle durch weniger Einnahmen wachsen schneller als zusätzlicher Arbeitsanreiz .
Ungerecht gegen körperlich Beschäftigte & Geringverdiener
- SPD und Linke kritisieren, dass die Aktivrente vor allem Akademiker und Gutverdienende bevorzugt – Schichtarbeiter oder Pflegekräfte profitieren kaum
- Sozialverbände wie VdK betonen: Nach jahrzehntelanger körperlicher Arbeit meist gesundheitlich nicht in der Lage, weiter zu arbeiten
Teures Steuerprivileg – nicht nachhaltig finanziert
- DIW-Experte Johannes Geyer schätzt: Nur eine niedrige fünfstellige Zahl zusätzlicher Rentner wird arbeiten – Aufwand und Ertrag stehen in keinem Verhältnis
- Arbeitgeberpräsident Kampeter warnt: Ohne Reform der frühzeitigen Renteneintritte verschärft die Aktivrente die Finanzierungslücke
Entgleisende Gerechtigkeit & Rechtsunsicherheit
- Wirtschaftsverbände wie IW kritisieren Ungleichbehandlung – unterschiedliche Steuerlast bei gleichem Einkommen sei rechtlich fragwürdig
- DGB-Vertreter warnen: Die Privilegierung durch Steuerbefreiung verzerrt das System und belastet jüngere Arbeitnehmer zusätzlich
Mythos „Freiwillige Verlängerung“
- Viele Rentner würden aus Lust an der Arbeit weiterarbeiten, nicht wegen Steueranreiz .
- Die Maßnahme wirkt eher wie ein Steuergeschenk für Wohlhabende, statt wirkliche Motivation für alle zu schaffen .
Fazit: Ergänzung, kein Ersatz
Die Aktivrente ist kein Allheilmittel. Sie wirkt wie ein Lippenbekenntnis, das Fachkräftemangel nicht wirklich löst. Vielmehr:
- Sie stärkt Privilegien der Wohlhabenden
- Verärgert Geringverdiener und Pensionäre
- Belastet junge Generationen über höhere Beiträge



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